Donnerstag, 11. September 2014

California Sunshine

Eine Woche ist schon wieder vergangen, wahnsinn!
Rückblickend habe ich vor allem viel getanzt in den letzten Tagen – am Mittwoch hat mich Faye, die Tochter der Familie, bei der ich wohne, mitgenommen zum Contra Dance. Sie selbst hat dies als Inbegriff amerikanischer Tanzkultur beschrieben, die man nirgendwo auf der Welt in dieser Form wiederfindet. Kennzeichnend für Contra Dance ist, dass immer zu Live Musik getanzt wird, meist irischer Folkmusik. Für jeden Tanz sucht man sich einen Partner und stellt sich in zwei Reihen nebeneinander auf. Bevor es losgeht beschreibt ein Ansager die Schritte, und dann wird vor allem viel gedreht – umeinander, miteinander, um sich selbst.  Um dabei keinen Drehwurm zu bekommen, schaut man seinem Partner stetig in die Augen, was am Anfang seltsam für mich war, aber sich schnell als unabdingbare Notwendigkeit herausstellte. Die Kombinationen werden meist zu viert getanzt, und mit Ende jeder Schrittabfolge tanzt man mit dem nächsten Paar, und das solange, bis man wieder an seiner Ausgangsposition ist. So kompliziert das zunächst einmal klingt, ist es anfangs tatsächlich auch, doch sobald man sich in das Gewirr aus drehenden Menschen eingefunden hat und weiß, wann man mit wem tanzen sollte, macht es wahnsinnig viel Spaß. Besonders interessant war, wie verschieden das Publikum war – von Studierenden über Mittvierziger bis hin zu Senioren war alles dabei, wobei der Altersdurchschnitt bestimmt bei fünfzig lag. Gemeinsam hatten die meisten nur, dass sie nichts gemeinsam hatten, einzig die alternative Haltung jedes einzelnen war sichtbar.

Abgesehen vom Zumba und Hip Hop tanzen im Recreational Center war ich am Samstag und Sonntag noch bei Auditions für zwei Tanzgruppen. Gar nicht so sehr, weil ich unbedingt aufgenommen werden wollte, sondern vielmehr, um mir so eine Audition mal anzusehen – auch das ist ja etwas, was man aus den amerikanischen College-Filmen kennt. Eigentlich wollte ich auch einem Chor beitreten, aber für jeden einzelnen hätte man in Auditions vorsingen müssen und aufgrund meiner nichtvorhandenen Chorerfahrung und meinem begrenzten Talent habe ich mich das nicht getraut. Die Auditions für die Tanzgruppen waren auf jeden Fall sehr aufregend – nach gemeinsamen Aufwärmen haben alle Bewerber, meist etwa 50 an der Zahl, eine kurze Choreographie gelernt und mussten diese dann in kleinen Gruppen vor den Choreographen vortanzen. Auch wenn es nicht geklappt hat – aufregend war es in jedem Fall.

Die Audition für Jazzdance vor dem Haas Pavillon
Beim samstäglichen Lindy on Sproul habe ich einen Fotografen, Tef, kennen gelernt, der mit mir spontan den Panoramic Hill hinausgestiefelt ist, als er erfahren hat, dass ich dort noch nicht war  - der steile Aufstieg in der knalligen Mittagshitze hat sich gelohnt, denn der Hügel macht seinem Namen alle Ehre. Nach einem ausgezeichneten Essen in einem wunderbaren persischen Restaurant konnten wir in Ruhe die Sonne auf dem Campus genießen.

die Nachbarstädte Emeryville und Oakland, und in der Ferne - wie immer, San Francisco
Wenn man den Campanile Tower sieht, weiß man, wo der Campus liegt.
An diesem Samstag war auch das Eröffnungsspiel der Saison im California Memorial Stadium, das ich leider verpasst habe. Mitbekommen habe ich aber das Drumherum – das Aufheizen der Menge auf dem Campus mit Marching Band, Cheerleadern und viel blau und gold, die fliegenden Händler um das Stadium herum, die ihre Würstchen, Crêpes und Limonade verkaufen, und die Verbindungspartys in ausnahmslos jeder Fraternity und Sorrority. Auch das ist übrigens wie man es aus den Filmen kennt – es gibt eine Straße, auf der fast alle Verbindungshäuser nebeneinander liegen und alle haben griechische Buchstaben als Namen.

Am Sonntag habe ich Angel kennen gelernt, eine Couchsurferin, die ich vor drei Wochen verzweifelt angeschrieben habe und die damals schrieb, dass sie zur Zeit in Brasilien sei aber mir gerne mal die Stadt zeigen würde. Zusammen mit einem Freund von ihr aus Venezuela, Emmanuel, der in San José arbeitet, sind also wir drei, aus drei verschiedenen Kontinenten kommend, Angel ist aus China, zu einer Sambaparty nach San Francisco gefahren. Am Sonntag war nämlich Brasiliens Independence Day und das wurde in einer Bar in San Francisco, direkt am Wasser, groß gefeiert. Wir drei hatten dort einen fabelhaften Nachmittag, den wir in einem kleinen, sehr zu empfehlenden Sushi Lokal mitten in einer Wohngegend in San Francisco haben ausklingen lassen.


 

Abgesehen von viel Tanzerei war ich noch bei einer Quiz Night über Cal und habe – tätärätä – eine Berkeley Tasse gewonnen! Unser Team, the rhinoceroses (zwei meiner Mitstreiter waren Theaterstudenten, die dieses Semester ein Stück einüben, in dem sich alle Menschen in Nashörner verwandeln), war offensichtlich am drittbesten über Akronyme, Gebäude, Alumni und Cal in der Popkultur informiert. Eindruck hinterlassen hat bei mir vor allem, dass der Campus in der Monster Uni zumindest teilweise von Berkeleys Campus inspiriert worden ist! Apropos Filme – Jed, mein Gastvater, hat mir noch einen weiteren amerikanischen Filmklassiker gezeigt, der mich sehr berührt hat: October Sky. Aber das nur am Rande.

Zu guter Letzt haben sich letzte Woche an zwei Tagen einige der etwa 1500 Studierenorganisationen auf dem Campus vorgestellt, Calapalooza nennt sich dieses Event. Es ist wahnsinn, wie viele verschieden Clubs es hier gibt. Die internationalen Studierenden, die in großer Zahl vertreten sind, haben ihre eigenen Vereine - dementsprechend gibt es viele asiatische Vereine, denn die asiatischen Studierenden bilden die Mehrheit in Berkeley. Außerdem gibt es politische Vereine, Kunstvereine, akademische Vereine, Vereine für gesellschaftliches Engagement, viele Vereine für Mentoring, Unizeitschriften, Unternehmensberatungen, und und und. Besonders gefreut hat mich, dass ich am Stand des Neurowissenschaftsvereins für undergraduates endlich mal ein echtes Gehirn in den Händen gehalten habe – nachdem wir in Münster so viel darüber gelernt haben und sogar eines geknetet, habe ich nun ein echtes gesehen. Diese Woche war ich nun bei ein paar Informationsveranstaltungen und werde mich dann in den nächsten Wochen entscheiden, ob und welchem Club ich mich anschließen möchte. Besonders inspirierend fand ich den Verein „Miss Universe at Berkeley“ – obwohl, vielleicht ist ein Club mit Inhalt doch interessanter.

                
                   das wunderschöne Sather Gate


Einzig und allein eine Erkältung, die gestern ausgebrochen ist, dämmt meine allgemeine Freude etwas. Doch abgesehen davon geht es mir nach wie vor gut und ich genieße vor allem die Sonne und den Sommer hier!

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